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Der Auslassschieber ist definitiv eines der Ersatzteile, die häufiger an der RS 125 nachgekauft werden müssen. Oft ist der Schieber bei gedrosselten Maschinen gar nicht vorhanden und muss nachgerüstet werden oder er ist durch mangelnde Wartung und unsachgemäße Reparatur beschädigt.

Das Originalteil kostet neu etwa 160 €, während Nachbauten für weniger als 30 € zu haben sind. Man stellt sich natürlich die Frage, ob man mit dem Preisunterschied auch ein Risiko eingeht.

Original-Auslassschieber

Der originale Schieber ist aus beschichtetem Aluminium-Guss hergestellt.

Es handelt sich nicht um eine dekorative, sondern um eine technische Beschichtung mit einer hohen Oberflächenhärte. Das Originalteil funktioniert, lässt sich gut reinigen (Verbrennungsrückstände lassen sich von der Beschichtung abbürsten, ohne dass die Beschichtung davon beschädigt wird) und kann bei fachlich korrekt gepflegter Maschine ein Motorleben lang halten.

Alte Auslassschieber (verlängerte Blindschieber)

Ältere Rotax-123-Motoren, noch vor der RS 125, hatten einen Auslassschieber aus Stahl. Das flache Schieberteil ist identisch mit den auch später noch verbauten Blindschiebern, die bei werkseitig gedrosselten Maschinen verbaut wurden.

Nachbauteile und Tuning-Teile

Grundsätzlich: Sowohl über das Original-Teil als auch über das Nachbauteile findet man in diversen Online-Foren oder Online-Shops Bewertungen sowohl Berichte von massiven Problemen als auch Aussagen, dass die Teile problemlos über lange Zeit gefahren werden können.

Nachgebaute Auslassschieber gibt es etwa seit der Zeit, als die RS 125 populär wurde, etwa seit dem Jahr 2000. Da die Teile nicht immer mit Markennamen versehen sind und über diese Jahrzehnte von verschiedeneren Unternehmen gebaut und vertrieben wurden, kann man die Qualität nicht verallgemeinern. Es gibt bzw. gab sie aus zerspanerfreundlichem Aluminium, hochfestem Aluminium, Edelstahl oder werbewirksamen Werkstoff-Fantasienamen.

Die Schieber unterscheiden sich alle in kleinen, geometrischen Details. Dies führt letztendlich dazu, dass alle in geschlossenem Zustand unterschiedlich nah an den Kolben herankommen, unterschiedlich effektiv funktionieren und unterschiedlich sicher sind.

Auslassschieber-Kit von Motorize

Der Hersteller Motorize bietet ein komplettes Kit bestehend aus Schieber, Dichtungen, Feder und Gehäuse an. Schieber und Gehäuse sind jeweils kompatibel zu den Original-Bauteilen. Besonders das Gehäuse ist interessant, da es nur etwa ein Drittel des Originalteils kostet.

Auslassschieber-Kit von Motorize

Der Schieber ist vor der Übergangsstelle an der flachen Seite breiter als das Originalteil und kommt so auf einen Materialquerschnitt von etwa 140 statt 125 mm². An der Übergangsstelle von Flach zu Rund ist noch eine Fase zu sehen, die die Bruchgefahr an dieser Stelle nochmals weiter senkt.

Bei der Geometrie gibt es kleine Abweichungen im Vergleich zum Originalteil.

Im geschlossenen Zustand befindet sich dieser Schieber etwa in derselben Entfernung zum Kolben wie der Original-Schieber, im geöffneten Zustand wird eine Abweichung von etwa einem halben Millimeter zur Original-Geometrie deutlich, sodass ein kleiner Absatz im Auslasskanal entsteht. Sollte der Auslassschieber brechen, kann dieser bei einer intakten Führung im Zylinder nicht in den Kolben rutschen.

Problematisch ist die mitgelieferte Feder, die mit einer Federkonstante von ca. 2,4 N/mm und einer ungespannten Länge von 35 mm eine deutlich höhere Rückstellkraft erzeugt wie die Originalfeder mit einer Federkonstante von 0,94 N/mm und einer ungespannten Länge von 30 mm. Dies kann dazu führen, dass der die Magnetspule den Schieber nicht mehr öffnen kann und führt zu einem heftigeren Stoß am Ende des Schließvorganges.

Auslassschieber von Moto RRT

Einen interessanten Nachbau gibt bzw. gab es von Moto RRT, Material, Verarbeitung und Beschichtung wirken auf den ersten Blick sehr hochwertig.

Auch hier ist der Winkel der vorderen Fläche leicht abweichend zum Original, sodass keine exakt plane Fläche entsteht. Auch die Fase an der Vorderkante fehlt, hier ist die Fläche nicht nach hinten geneigt sondern rechtwinkelig zur Ebene gestaltet. Auffällig ist, dass der Schieber in geschlossenem Zustand extrem nahe an den Kolben herankommt.

Problematisch ist dieser geringe Abstand zum Kolben dann, wenn sich die ersten Verschleißerscheinungen zeigen. Schlägt der Auslassschieber regelmäßig auf dem Zylinder auf, hämmert er im Laufe der Zeit einen kleinen Abdruck auf die Auflagefläche am Zylinder. In diesem Fall würde der Schieber zu nahe am Kolben sitzen und diesen berühren. Auch ein Abbrechen des Schiebers wäre problematisch, da dieser nicht rechtzeitig von der Führung an den Seiten des Zylinders zurückgehalten wird.

Noname Auslassschieber-Nachbau

Ein weiter Nachbau ohne weitere Angaben zum Hersteller wird von Benedini vertrieben. Auf den ersten Blick sind Rattermarken auf großen Teilen der Oberfläche zu sehen. Dies ist besonders am oberen Schaft störend, da hier die Ventilschaftdichtung gleiten soll. Auch die Tasche und die Nut zum Einhängen des Seilzuges sind hier größer.

Der Nachbau ist ähnlich passgenau wie der Nachbau von Motorize, aber auch hier wird die Original-Geometrie nicht exakt nachgebildet. An der Übergangsstelle vom flachen Teil zum runden Anschlag ist der Materialquerschnitt ebenfalls größer als beim Originalteil. Die Vorderkante ist rechtwinkelig abgeschnitten anstelle einer Fase wie beim Originalteil und deutlich breiter.

Pneumatische Auslasssteuerung von Italkit

Von Italkit gibt es zwei pneumatische Auslasssteuerungen, die als eigenständige Beugruppe die herkömmliche Auslasssteuerung bestehend aus Steuerelektronik, Magnet, Seilzug und Schiebermechanik ersetzen.

Diese pneumatische Auslasssteuerung gibt es in zwei Varianten:

  • Eine einfache Ausführung, die zwischen 5.000 und 6.000 1/min den Schieber langsam öffnet
  • Mit einer aufgesetzten Einstell-Mechanik, mit der die Öffnungsdrehzahl in einem Bereich von 6.000 bis 8.500 1/min in 9 Stufen eingestellt werden kann.

Prinzipiell funktioniert dieses System so, dass der Druck im Auspuff auf eine Fläche wirkt, die diesen Gasdruck direkt in eine Kraft umsetzt, die proportional zum Druck ist. Dem entgegen steht (bei beiden Teilen) eine Federkraft, die wiederum nur von der Federkompression abhängig ist. Auch wenn die Federvorspannung schon wirkt, ist die Federkraft weiterhin wegabhängig. Die zusätzlich auftretenden Haftreibungskräfte, die vor allem durch Verbrennungsrückstände hervorgerufen werden, sind nicht linear. Das führt dazu, dass diese pneumatische Steuerung nie zu einem exakten Zeitpunkt öffnet und wieder schließt, sondern eine Kennlinie mit Hysterese hat.

Die Auslassschieber selbst unterscheiden sich nur am Schaft, der bei der einfachen Ausführung geschraubt ist, das Bauteil mit Einstellmöglichkeit hat einen Auslassschieber, der in einem Stück gefertigt wurde.

Beide Auslasssteuerungen haben den Nachteil, dass die Schieber im offenen Zustand nicht plan im Auslasskanal anliegen. Im Gegensatz zur elektronischen Auslasssteuerung kann zwar die Öffnungsdrehzahl bei einem dieser Produkte eingestellt werden, der Hub allerdings bei beiden nicht.

Hinsichtlich der der Lebensdauer sind die pneumatischen Auslasssteuerungen der elektronischen Variante deutlich überlegen, da der Schieber nicht bis zum harten Anschlag durch die Feder beschleunigt wird, sondern die Pneumatik auch durch den weiterhin vorhandenen Gegendruck das Schließen deutlich langsamer macht.

Vergleich der einzelnen Schieber

Die Bilder der einzelnen Schieber können in den folgenden Galerie-Ansichten durchgeblättert werden, um sie direkt miteinander zu vergleichen.

Geschlossener Zustand

Offener Zustand

Eingebaut im Zylinder

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