Verdichtung und Kompression

Das Verdichtungsverhältnis oder geometrische Verdichtung beschreibt die Volumenänderung des Verbrennungsraums zwischen OT und UT. Da der offene Auslasskanal allerdings verhindert, dass das Gemisch schon bei Beginn des Hubvorgans verdichtet wird, gibt es beim Zweitakter auch das effektive Verdichtungsverhältnis. Diese beiden Werte können als Verhältnis zwischen Brennraumvolumen bei OT durch Brennraumvolumen bei UT (z.B. 1:12) oder direkt als Wert (z.B. 11,9) angegeben werden. Möchte man die geometrische Verdichtung errechnen, benötigt man den Hub und Durchmesser des Zylinders aus dem Handbuch sowie das Volumen überhalb des Kolbens, welches ausgelitert werden muss.
Für die effektive Verdichtung muss die Steuerzeit des Auslasskanals bekannt sein, diese kann man mit einer Gradscheibe messen und mit etwas Trigonometrie auf den Hub umrechnen.

Der Kompressionsdruck beschreibt den Druck, den der Kolben beim Komprimieren erzeugt und wird in bar angegeben.

Die beiden Größen haben nur in abgefahrenen Theorieen etwas miteinander zu tun. Praktisch ist wichtig:

  • Die Verdichtung wird geprüft, um die richtige Zylinderfußdichtung zu wählen
  • Der Kompressionsdruck gibt eine Auskunft darüber, ob genügend Kompression vorhanden ist oder ggf. ein Motorschaden vorliegt.

Messen des Kompressionsdruckes

Springt die Maschine mal nicht an, so kann man durch Messen des Kompressionsdruckes herausfinden, ob es ein Problem mit Zylinder und Kolben gibt.

Der Kompressionsdruck wird mittels eines Kompressionsdruckprüfers gemessen, diese gibt’s ab etwa 25 € zu kaufen. Dieses Werkzeug ist sehr praktisch, da man schnell und unkompliziert messen kann, ob ein Problem mit dem Zylinder oder Kolben vorliegt, sollte die Maschine nicht starten.

Der Kompressionsdruckprüfer wird auf das Zündkerzenloch gedrückt oder dort verschraubt, dann wird der Anlasser solange betätigt, bis der Wert auf der Anzeige nicht mehr steigt.

Der gemessene Kompressionsdruck bei der RS 125 sollte etwa 7,0 bar betragen.

Ab 5.0 bar muss der Motor anspringen, unterhalb von 4 bar kann davon ausgegangen werden, dass ein Schaden vorliegt.

Ölt man die Brennraumwand etwas ein, verdichtet der Kolben besser und der Messwert ist entsprechend größer. Auch wenn man Gas gibt, lassen sich höhere Werte messen, da die Gasmenge, die pro Hub durch den Vergaser angesaugt wird, größer ist.

Ermitteln der geometrischen Verdichtung

Beim Einbau eines Zylinders müssen Verdichtung und Quetschspalt zur Auswahl der korrekten Zylinderfußdichtung kontrolliert werden. Eine zu niedrige Verdichtung fürt zum Leistungsverlust, eine zu hohe Verdichtung führt zum Klopfen des Motors und auch zu einer stärkeren Belastung der einzelnen Teile.

Zur Messung der geometrischen Verdichtung wird das Brennraumvolumen bei OT ausgelitert und anschließend umgerechnet.

Hierzu kann man eine Spritze (ohne Kanüle) für ein paar Cent in der Apotheke kaufen. Die Spritze wird mit 20 ml Öl gefüllt, der Kolben wird auf OT gedreht (die Zündkerze natürlich entfernt). Anschließend wird der Brennraum bis zur Oberkante des Zündkerzengewindes mit Öl aufgefüllt. An der Skala der Spritze kann man jetzt sehen, wieviel Öl dort hineingingen, das kann man auf eine Nachkommastelle abschätzen. Von diesem Wert werden 2,0 ml für das Zündkerzenloch abgezogen, dann hat man das Brennraumvolumen in ml bzw. cm³.

Das Hubvolumen für die geometrische Verdichtung lässt sich aus Kolbenhub und Durchmesser des Zylinders berrechnen und beträgt 124,8 cm³.

Die Verdichtung errechnet sich dann folgendermaßen:

Geometrische Verdichtung = Hubvolumen / Brennraumvolumen + 1

Dieser Wert sollte zwischen 12 und 13 liegen. Ist der Wert zu groß, muss eine dickere Zylinderfußdichtung verbaut werden, ist er zu klein, entsprechend eine dünnere Dichtung.

Messen des Quetschspaltes

Zum Messen des Quetschspaltes wird ein Lotdraht (Weichlot, Lötzinn, auf keinen Fall etwas hartes) durch das ZK-Loch an die obere Kante des Brennraumes unterhalb des Brennraumdeckels geführt, dazu muss man den Lotdraht etwas zurechtbiegen. Betätigt man den Anlasser kurz, wird der Draht durch den Kolben zusammengedrückt. Mit einem Messschieber kann man dann die dicke der Drahtspitze, also des Quetschspaltes, messen.

Der Quetschspalt sollte etwa 1,5 mm betragen.

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