Ich habe mir den Anycubic „4Max Pro 2.0“ gekauft und nutze diesen zur Zeit mit PrusaSlicer.

Beim 4Max Pro 2 werden drei Konfigurationen für Cura auf der SD-Karte mitgliefert, ausgehend von diesen Parametern habe ich eine Konfigurationssammlung für PrusaSlicer erstellt.

Meine Konfiguration für PrusaSlicer gibt es hier zum Download:

Die Konfiguration hat bisher drei Druckeinstellungs-Profile:

  • Quality: 0,2 mm Schichthöhe, Benchy-Druckdauer: 1 h, 54 min
  • Draft: 0,3 mm Schichthöhe, Benchy-Druckdauer: 57 min
  • Factory: Entspricht so weit es geht den vorgegebenen Cura-Einstellungen, 0,2 mm Schichthöhe

Die Profile unterscheiden sich vor allem in Extrusionsbreiten und Druck-Geschwindigkeiten, die Schichthöhen sind aber nicht „verpflichtend“, man kann selbstverständlich auch geringere Schichthöhe auf dem Quality-Profil drucken. Die Ergebnisse des hochauflösenden Profils waren zu schlecht, um sie hier zu veröffentlichen.

Das Profil hat ein paar kleinere Besonderheiten:

  • Die Eilgangsgeschwindigkeiten sind relativ niedrig, die Beschleunigungen in einem sichbaren Bereich. Höhere Werte führten bei mir bei größeren Bauteilen nach mehreren Stunden Druckdauer zu Layer-Shifts.
  • Es wird zuerst das Druckbett vorgewärmt, dann der Extruder. Beim Vorwärmen des Extruders wird der Bauteilkühler eingeschaltet, damit soll einem Schmelzen des Bauteilkühlers etwas entgegengewirkt werden. Das Bett ist dabei etwas abgesenkt, um nicht direkt die Ecke des Druckbettes zu kühlen.
  • Zum Start wird etwas Filament neben dem Druckbett extrudiert und dann eine kurze Start-Linie gezogen, diese Linie gibt es auch in anderen Prusa-Profilen. Damit wird einigermaßen sichergestellt, dass zu Beginn des Drucks auch wirklich Material aus der Düse kommt.

Zuerst hatte ich ein Profil mit Standardparametern und einigen Werten des i3 Mega versucht, hatte dabei allerdings massive Layer-Shifts beim ersten Druck. Layer-Shifts bei größeren Modellen waren auch bei den Geschwindigkeiten und Beschleunigungen des Cura-Profils ein Problem. Auch ein Profil, welches für das Vorgängermodel 4Max Pro auf Reddit zu finden war, brachte absolut kein zufriedenstellendes Ergebnis.

Größere Bauteile hatten jedoch in 3 von 4 Versuchen Layer-Shifts. Am Drucker selbst waren keine Antriebselemente lose, die Layer-Shift-Problematik lies sich nur durch schrittweises Absenken der Geschwindigkeits- und Beschleunigungswerte in den Griff bekommen. Die geringere Eilgangsgeschwindigkeit hat glücklicherweise kaum einen Einfluss auf die Druckzeit.

Versionshinweise

2021022207: Erste Version

Update 2021022814: Fehler im Startcode behoben, Default zu Quality umbenannt, Factory-Profile ergänzt, Filamentprofile nach einigen Drucken etwas korrigiert

Druckergebnisse

Nach ca. 25 gedruckten Schiffchen und einer Familie am Rand des Wahnsinns sind mir nun tatsächlich einige ganz passable Druckergebnisse gelungen. Ich habe den Drucker nun mit folgenden Filamenten getestet:

  • Anycubic PLA Grau
  • yourDroid TPU Grün
  • filatech HIPS weiß
  • super-filament ABS

Die Profile sind in der Config-Datei enthalten.

PLA

Mit dem Drucker habe ich auch zwei Rollen graues Filament von Anycubic mitgekauft. Es ist mir nicht gelungen, das Stringing in den Griff zu bekommen. Mit hohen Rückzugsgeschwindigkeit oder hohem Rückzugsweg ist das Problem nicht in den Griff zu bekommen. Das 3DBenchy auf der Draft-Einstellung und auf auf der Quality-Einstellung sieht wie folgt aus:

Die Draft-Einstellung druckt etwa doppelt so schnell, was man dem Ergebnis zwar ansieht, aber es ist eben auch doppelt so schnell:

Den Ersatz-Bauteilkühler habe ich mir, neben einigen Ausdrucken aus ABS, auch mal aus PLA mit Stützmaterial gedruckt.

Beim Stützmaterial kommt es zu Ablösungen (egal, wie die Druckgeschwindigkeit oder Extrusionsbreite gewählt ist), sobald der Lüfter mit mehr als 80 % das Bauteil kühlt. Bei anderen, kleinen Batueilen hatte ich das Problem anfangs auch, zu schnell gedruckte und gekühlte Layer halten deutlich schlechter.

Skaliert man das Benchy um Faktor 2, dauert der Druck ca. 8 Stunden. Das Stringing tritt hier weniger auf als beim normalen Modell.

Letztendlich hatte ich mich vor allem auf die Qualität der Oberfläche des Bugs konzentriert und die Festigkeit der Layer. Niedrigere Temperaturen führten leider dazu, dass sich Teile der Layer wieder ablösen ließen.

Werkseinstellungen mit Cura

Zum Vergleich habe ich mir das Benchy in Cura mit den mitgelieferten Einstellungen gesliced.

HIPS

HIPS habe ich nur getestet, da es als druckbares Material angegeben war. Bei zu niedrigen Temperaturen hielt das Material nicht, bei leicht höheren Temperaturen waren die Außenschichten zu weich und wölbten sich während des Druckes nach Innen.

Mit einer geringen und geregelten Bauteilkühlung lies sich dieses Problem gut in den Griff bekommen.

Das auf china-gadgets.de beschriebene Problem, dass die Luftdüse der Bauteilkühlung schmilzt kann ich nun bestätigen, es muss bei mir während der ersten Versuche bei HIPS aufgetreten sein.

TPU

Überraschend problemlos und direkt auf den dritten Versuch lies sich TPU drucken. In der mitgelieferten Einstellung für Cura des Druckers ist für TPU eine Stützstruktur bei Winkeln geringer als 60 ° angegeben, der untere Bereich des Bugs des Benchys sieht dementsprechend nicht zufriedenstellend aus.

Auch hier hatte ich die meisten Probleme mit der Bauteilkühlung in den Griff bekommen.

Das Ergebnis ist wie geschrieben noch nicht zufriedenstellend, hier wird es sicherlich noch ein Update geben, wenn ich wieder die Zeit finde.

ABS

Bevor ein Benchy gesliced wurde, habe ich mir zwei neue Düsen für die Bauteilkühlung gedruckt, die als .gcode auf der SD-Karte beigelegt waren. Die Drucktemperatur der zweiten Düse hatte ich einfach im gcode von 245 auf 240 °C reduziert, ohne dass das Ergebnis schlechter wurde.

Mit diesen Temperaturen (100 °C für das Druckbett, 240 °C Extruder, keine Bauteilkühlung) lies sich das Benchy auf den ersten Versuch drucken. Leider tritt auch hier noch ein Verzug der unteren Außenkonturen während des Druckes auf.

Wegen der hohen Temperaturen und der bereits durch die Hitze verformte Düse hatte ich ABS ohne Bauteilkühlung gedruckt und die Düse abmontiert.

Die Überhänge sowie den Bug unten habe ich noch nicht im Griff, für den ersten Versuch ohne besondere Einstellungen bin ich aber einigermaßen zufrieden.

Die Luftdüse, wenn man sie mit dem mitgelieferten gcode mit ABS druckt, sieht übrigens auch sehr gut aus.

Meine Meinung zum 4Max Pro 2.0

Es gibt im deutschsprachigen Raum zwei Testberichte, die man schnell zum 4Max Pro 2.0 findet, auf drucktipps3d.de und auf China Gadgets. Diese sind beide Lesenswert.

Dem Fazit von „alfrank“ von drucktipps3d kann ich mich nur anschließen, man bezahlt eben keine 3.000 € für dieses Gerät sondern hat einen voll eingehausten Drucker für unter 500 €, mit dem man auch ABS drucken kann. Man muss nur mit den Mängeln leben können.

Die von Kristian auf China Gadgets beschriebenen Probleme existieren defintiv – und sie können die Laune durchaus verderben – seine Meinung zum Drucker teile ich jedoch nicht. Die Vorteile, dass das Gerät einen Direkt-Extruder hat und ein fertiges Gehäuse, wird meiner Meinung nach hier nicht genügend beachtet. Dennoch würde ich, wenn nur PLA gedruckt werden soll, auch aus den dort genannten Gründen nicht zu diesem Gerät raten.

Lustigerweise hatte ich mit dem Anycubic-PLA wesentlich mehr Fehlschläge und Probleme als mit HIPS oder ABS. Wirklich gut funktioniert hat das Ausrichten des Druckbetts und die Haftung der ersten Schicht. Bei allen Fehlversuchen hatte ich bisher nie Probleme mit sich ablösenden Teilen oder ungleichmäßigen ersten Schichten.

Das geschlossene Gehäuse, der Direkt-Extruder sowie die Freiheit, jedes beliebige Filament verwenden zu können, waren meine Anforderungen, die letztendlich zum Kauf geführt hatten. Schwierige Materialien wie HIPS und ABS konnte ich als Anfänger sofort drucken.

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