Tuning: Vergaser

Hinweis: Diese Seite ist Teil der RS-125-Werkstattseite meines Internetblogs und steht mit dem Hersteller (Aprilia/Piaggio) in keiner Verbindung. Es handelt sich hier um selbst verfasste Reparaturanleitungen, Hinweise, Tipps und Tricks zur alten Aprilia RS 125 mit Zweitaktmotor bis Baujahr 2012. Dieses Blog wird privat ohne kommerziellen Hintergrund und Nutzen betrieben. Jegliche Haftung für jegliche Schäden, die sich aus den hier veröffentlichten Anleitungen und Daten ergeben könnten, ist generell ausgeschlossen.

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Die Modelle bis 1997 mit dem Rotax 123 und auch einige wenige mit dem Rotax 122 hatten ab Werk den 34-mm-DellOrto-Vergaser VHSB 34. Die neueren Modelle haben einen 28-mm-Vergaser PHBH 28 BD bzw. den VHST 28 CD und entsprechend einen 28-mm-Ansaugstutzen. Es klingt sehr verlockend, einfach den größeren Vergaser zu verbauen. Dabei wird aber von einem Tuning-Märchen gesprochen.

Man sollte sich nicht all zu viel Hoffnung auf deutlich spürbare Verbesserungen machen, wenn man nun einfach den 28-mm-Vergaser gegen den 34-mm-Vergaser tauscht.

Die RS läuft mit dem 28er Vergaser bereits sehr gut, ein größerer Vergaser macht erst dann Sinn, wenn man die Gasmenge, die durch den Vergaser gezogen werden soll, in irgend einer Form erhöht hat.

Mit dem 28er-Vergaser sind Leistungen bis 26 kW (35 PS) nachweislich machbar.

Der Vergaser ist eine Komponente, die für eine Leistungssteigerung natürlich kein Flaschenhals sein darf. Bei einer Serien-RS ist der 28-mm-Vergaser ausreichend, erst wenn andere Komponenten verändert wurden (z.B. ein anderer Resonanzauspuff) und die Leistung bei höheren Drehzahlen erwartet wird, ist ein größerer Vergaser sinnvoll.

Es gibt immer wieder Gerüchte, dass die alten Modelle mit dem 34er-Vergaser auch 34 PS gehabt hätten, das ist aber einfach falsch. Lediglich ein paar seltene SP-Versionen hatten das, wenn man falsche Zahlen vergleicht, kommt man auch auf solche Aussagen wie „4 PS mehr“. Das ist Unsinn. Die alten GS-Modelle mit dem 34er-Vergaser haben 23 kW (das sind 31,2 PS), die ersten MP-Modelle mit dem 28er-Vergaser haben aber auch 22 kW – mit fast identischen Motoren.

Es kommt bei einem größeren Vergaser der entscheidende Nachteil hinzu, dass dieser sich für niedrige Drehzahlbereiche schlechter abstimmen lässt, da die Strömungsgeschwindigkeiten durch den höheren Querschnitt kleiner werden und somit die Gemischaufbereitung schwieriger zu handhaben ist.

Da es den Dell Orto VHSB 34 bereits bei den altem Maschinen gab, kann man hier auf das Setup der alten Modelle zurückgreifen. Es gibt aber keine Bedüsungs-Empfehlung für den 34er-Vergaser für die neuen Modelle, erst recht nicht mit Sekundärluftsystem und Katalysator, hier ist viel Abstimmungsarbeit gefragt, falls diese Komponenten überhaupt behalten werden sollen. Es gibt auch natürlich auch Vergaser von Mikuni, Keihin oder anderen Herstellern, die auf die RS 125 angepasst werden können, dort wird der Aufwand noch einmal größer. Prinzipiell ist das Abstimmen eines Vergasers kein Problem und auch machbar, es erfordert aber viel Geduld und zum Vergaser einen ganzen Satz Düsen und auch unterschiedliche Gasschieber. Dass dieser Aufwand völlig unterschätzt wird, zeigen mir viele Einträge in Internetforen über Probleme bei niedrigen Drehzahlen oder die Mails, die ich von Leuten bekomme, die Schwierigkeiten bei der Abstimmung haben. Daher kann ich an dieser Stelle nur darauf hinweisen: Seid euch bewusst, dass ein größerer Vergaser einen erheblichen Mehraufwand bei der Abstimmung mit sich bringt und das nicht mal eben so erledigt ist.

Hinweis: Das Tauschen des Vergasers führt zu einer Änderung des Abgasverhaltens und so zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Eine solche Modifikation muss in den Fahrzeugpapieren eingetragen werden. Bei älteren MP-Modellen um 1995-1996 kann dies möglich sein, da dieser Vergaser bei Importen (MP00) verbaut wurde.

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