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Die RS 125 gibt es vom Hersteller ab Baujahr 1997 bereits mit verschiedenen Leistungen ab Werk, sie sind mit sog. Werksdrosseln bereits in ihrer Leistung reduziert. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die Maschine nachträglich mit Drosselkits zu rezduzieren, bekannt ist hier vor allem der Hersteller AlphaTechnik.

Es gilt also eigentlich „nur“, die nachträglich verbauten Maßnahmen rückgängig zu machen und die Maschine auf die entsprechende Variante mit voller Leistung umzurüsten.

Jetzt gibt es leider oft das Problem, dass die Maschinen oft den Besitzer wechseln, Eintragungen im Fahrzeugschein einfach fehlen oder die Arbeiten einfach schlampig gemacht wurden. Manch eine Werkstatt baut einfach einen gebrauchten Drehzahlbegrenzer für ein anderes Modell ein und lässt diesen per Einzelabnahme vom TÜV, der ab und zu sowieso vorbeikommt, eintragen. Das ist zwar in gewisser Hinsicht legal, funktioniert auch, macht aber lange und komplizierte Anleitungen wie diese hier nötig.

Ihr seit als Halter dafür verantwortlich, dass die Eintragungen im Fahrzeugschein ihre Richtigkeit haben. Da das mancher nicht so genau nimmt, bleibt es oftmals an euch hängen, wenn ihr euch eine gebrauchte Maschine gekauft habt.

1. Modell identifizieren

Die Fahrgestellnummer gibt Auskunft darüber, welches Modell ihr habt. Das Datum der Erstzulassung sagt nur, wann die Maschine zugelassen wurde, das kann durchaus 1-2 Jahre später sein. Die Fahrgestellnummer ist auf dem Rahmen und am Typenschild vorne eingraviert und hat folgenden Aufbau:

ZD4 PY00 07S000747

Die ersten drei Stellen „ZD4“ sind die WMI-Bezeichnung für Aprilia (Wold Manufacturer Identifier). Die darauffolgenden vier Zeichen geben Auskunft über das Modell, in diesem Beispiel:

PY00: – PY-Modell (es gibt GS, MP, PY, SF, RM), Variante „00“

Ein anderes Modell hat z.B. die Bezeichnung

MPA0: MP-Modell, Variante A0 (80 km/h, 11 kW)

Das ist vor allem deshalb wichtig, da doch hin- und wieder Gebrauchtteile modellübergreifend verbaut werden und Umrüstgutachten immer nur für die jeweiligen Modelle gültig sind. Auch die Auswahl des Auspuffes oder die Vergaserbedüsung ist unter den Modellen unterschiedlich.

2. Papierkram

Um die Maschine offen an- bzw. umzumelden, müssen die Änderungen vorher beim TÜV abgenommen werden. Hier hat man es mit Menschen zu tun, viele davon sind eigentlich recht umgänglich, wenn man vorher miteinander spricht.

Ihr müsst vorher klären, welche Gutachten ihr vorlegen müsst, um die Änderungen einzutragen. Manche haben das im PC, anderen reicht eine Kopie eines anderen Fahrzeugscheins und mancher will ein komplettes Umrüstgutachten. In jedem Fall kann euch die Aprilia-Werkstatt eures Vertrauens die entsprechenden Papiere für euer Modell beschaffen. Klärt das auf jeden Fall vorher, um unnötigen Ärger im Nachgang zu sparen.

3. Auspuff

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie der Auspuff gedrosselt werden kann:

  • Serienmäßig über ein Drosselrohr im Krümmerbauch – zu erkennen an der eingestanzten Krümmernummer
  • Nachträglich durch Einschweißen einer Krümmerdrossel, diese befindet sich direkt am Beginn des Krümmers und ist meistens mit 2-3 Schweißpunkten befestigt.

Für die volle Leistung muss sichergestellt sein, dass beides passt: Man benötigt den offenen Krümmer ohne Drosselblende. Es muss also die Krümmernummer kontrolliert werden und die Drosselblende entfernt werden. Es kommt häufig vor, dass man in ohnehin gedrosselten Krümmern noch zusätzlich eine Blende einschweißt, weil dies so im Umrüstgutachten des Drossel-Kits beschrieben wird.

4. Elektronische Drehzahlbegrenzer

Elektronische Drehzahlbegrenzer müssen theoretisch im Fahrzeugschein eingetragen werden. Im Artikel Zündanlagen habe ich zusammengestellt, welche Zündanlagen es gibt und wie die Drehzahlbegrenzer dort verbaut sind.

Die Elektronik ist ab dem MP-Modell, also etwa ab 1997, im Heckteil der Maschine untergebracht. Das GS-Modell mit dem Rotax 123 hat eine integrierte SEM-Zündanlage, die Elektronik besteht ausschließlich aus der Zündspule mit Elektronik und dem Stator im Motor – sonst gibt es dort nichts.

Zur Orientierung hier noch ein paar Bilder, wie die Bauteile im Heck der Maschine in etwa aussehen:

Es ist nun eigentlich relativ einfach: Die Original-Zündung wird ohne Drehzahlbegrenzer angeschlossen.

Das ganze unterscheidet sich jetzt je nach Modell. Aber auch hier ist es möglich, dass andere Varianten verbaut sind, die Teile passen untereinander

Drehzahlbegrenzer beim GS-Modell entfernen

Beim GS-Modell wird die Blackbox in die grüne Leitung der SEM-Zündung geschaltet. Die grüne Leitung führt aus dem Stator im Motor direkt zur Zündspule. Dazwischen gibt es einen Stecker, man weiß leider nie genau, wo die Blackbox angeklemmt wurde – aber es ist nur diese eine grüne Leitung.

Die Blackbox wird ausgebaut und die grüne Leitung wieder direkt verbunden.

MP, SF- und PY-Modelle: Drehzahlbegrenzer entfernen

Für die Modelle MP, SF und PY gibt es serienmäßig zwei verschiedene CDIs:

  • Nippondenso 070000-2570: Ohne Leistungsloch
  • Nippondenso 071000-0910 QCA91: Mit Leistungsloch

Keine dieser CDIs ist gedrosselt. Die QCA91 hat zur Einhaltung von Abgasvorschriften eine schlechtere Leistung in niedrigen Drehzahlen, umgangssprachlich bekannt als „Leistungsloch“. Da man damit bei einer Maschine mit Drehzahlbegrenzung, die ja nur in den niedrigen Drehzahlen fahren kann, sehr unkomfortabel unterwegs wäre, wird in gedrosselten Maschinen oft die 2570er CDI verbaut. Prinzipiell sind aber beide CDIs „offen“. In die offene Maschine gehört theoretisch die 0910 QCA91.

Drehzahlbegrenzer entfernen

Ein Drehzahlbegrenzer wird bei diesen CDIs zwischen die gelb/blaue und gelb/graue Leitung geklemmt.

Das einzig kniffelige ist nun herauszufinden, wo die beiden Leitungen unterbrochen sind. Sie führen vom Sensor am Polrad des Motors bis ins Heckteil an die CDI. Die beiden Leitungen werden wieder verbunden, der Drehzahlbegrenzer ausgebaut.

Gedrosselte CDI entfernen

Es gibt neben einem Drehzahlbegrenzer auch eine komplette CDI von AlphaTechnik, die anstelle der original-CDI verbaut wird. Diese kommt vor allem beim PY-Modell zum Einsatz:

Die Drossel-CDI wird mit einer Listerklemme am Kabelbaum angeklemmt.

Zum Einbau der Original-CDI benötigt Ihr natürlich den abgeschnittenen Stecker – oft ist dieser beim Kauf einer gedrosselten Maschine dabei. Den abgeschnittenen Stecker klemmt man wieder am Kabelbaum an – fertig. Noch schöner ist es, wenn man statt einer Listerklemme für ein paar Euro zwei bzw. drei 6-Pol-Stecker verwendet, dann kann man die Steuergeräte beliebig umstecken.

5. Auslasssteuerung

Für die volle Leistung ist eine vorhandene und funktionsfähige Auslasssteuerung erforderlich. In einigen Drossel-Kits wird die Auslasssteuerung jedoch abeklemmt, was den großen Nachteil hat, dass sie nicht mehr funktioniert. Das klingt jetzt wie Klugscheisserei, aber eine angeschlossene Auslasssteuerung bei einer elektronisch gedrosselten Maschine bewegt den Schieber zumindest bei Standgas, was verhindert, dass das Ding festsitzt.

Wird die Auslasssteuerung wieder angeschlossen ist es gut möglich, dass sie aufgrund der Verbrennungsrückstände nicht mehr richtig öffnet. Dies ist leider häufig der Fall, oftmals muss der Schieber dann mit roher Gewalt entfernt werden.

6. Zündkerze

Für hohe Leistungen ist eine Zündkerze mit hohem Wärmewert erforderlich. Die üblicherweise bei gedrosselten Maschinen verbaute NGK BR8ES muss gegen eine NGK BR10EG getauscht werden.

Die Zündkerze selbst hat keine leistungsreduzierende Wirkung. Aufgrund der niedrigeren Temperaturen der gedrosselten Maschine wird ein geringerer Wärmewert verbaut, d.H. die Kerze leitet weniger Wärme ab und bleibt heisser, sie setzt sich nicht so sehr mit Verbrennugnsrückständen zu.

Wird in einer gedrosselten Maschine eine 10er Kerze verbaut, rußt diese zu und funktioniert irgendwann schlecht.

Wird in einer offenen Maschine eine 8er Kerze verbaut, wird diese zu heiß. Dies kann zu einem Motorschaden führen.

7. Ölpumpeneinstellung kontrollieren

Je nach erfolgten Umbauten (die ja in der Regel nicht bekannt sind) kann es vorkommen, dass die Ölpumpe nicht korrekt eingestellt ist. Die Ölpumpeneinstellung sollte daher kontrolliert werden.

8. Vergaser

Es ist möglich, den Vergaser über eine Gasanschlagsdrossel zu drosseln. Es ist auch nicht weiter zu erklären, dass die Drossel ausgebaut wird.

Der Vergaser muss bei einer offenen Maschine entsprechend der Bedüsungstabelle bedüst werden.

9. Übersetzung anpassen

Die bei maximaler Motordrehzahl fahrbare Geschwindigkeit im höchsten Gang wird über die Übersetzung festgelegt. Die früher erlaubten 80 km/h kamen z. B. durch eine 13/40-Übersetzung bei 8.000 1/min zustande. Damit fährt maximal 120 bei Vollgas im roten Bereich – die RS hat übrigens keinen Drehzahlbegrenzer.

Hat man eine offene Maschine, sollte man für höhere Geschwindikgeiten die Übersetzung ändern. 17/40 ist Serie, alle anderen Kombinationen wie in der Tabelle der Höchstgeschwindigkeiten angegeben sind auch möglich – müssen allerdings vom TÜV abgenommen werden.

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