Tuning

Ab und zu werde ich mit der Frage angeschrieben, was man an seiner RS alles „machen kann“. Hierzu werde ich ein paar Dinge loswerden, die sicherlich ziemlich ernüchternd sind.

Kurz und knapp kann man sagen: Ausser dem Auspuff gibt es nichts, was man am Serienmotorrad sinnvoll mit humanen Kosten ohne spürbaren Lebensdauerverlust ändern kann.

Zu allererst muss man sich mal bewusst machen, worum es sich bei der RS 125 überhaupt handelt. Das ist ein Straßen-Motorrad, welches dem Rennsport nachempfunden wurde. Es ist kein Roller (manche fahren vor der RS 125 einen solchen), den man mit wenigen Handgriffen von 25 auf 125 km/h aufbohren kann, indem man mit ein paar Plug-and-Play-Bauteilen die Leistung mal eben verdoppelt. Von diesem Irrglauben müsst ihr euch wieder verabschieden.

Ich möchte hier trotzdem ein paar Dinge auflisten, die man selbst an der Maschine ändern kann. Ich hoffe es ist jedem bewusst, dass Änderungen jeglicher Art vom TÜV abgenommen & eingetragen werden müssen, ansonsten erlischt der Versicherungsschutz und eventuell ist auch die Fahrerlaubniss nicht mehr ausreichend. Fahren ohne Versicherungsschutz bedeutet, dass ihr für Unfälle voll haftbar gemacht werden könnt – mit Folgen, die für euch in einer schweren Lebenskrise enden können.

Abnehmen, Abspecken, Halbvoll tanken

Wie bitte? Richtig gelesen. Bei einem Motorrad, das etwa 150 Kilo wiegt und nur knapp über 30 PS hat, macht sich jedes Kilo, welches nicht beschleunigt werden muss, bemerkbar. Wer mit 120 Kilo auf dem Ding sitzt, kann so viel schrauben wie er will, jemand mit Normalgewicht wird immer schneller sein.

Warum schreibe ich das an erster Stelle? Es wird viel über lebensdauerverkürzenden Kleinkram diskutiert (Verdichtung erhöhen, Einringkolben, 8400er-ALS-Gerät etc) statt diesen offensichtlichen Punkt anzugehen. Eine gesunde Figur ist gut für die Motorlebensdauer und für eure Lebensdauer!

Fahrwerk

Viel sinnvoller als in irgend einen Billig-Tuning-Ramsch, den man ohnehin nicht bemerkt, könnt ihr Geld in ein neues Fahrwerk investieren.

Öhlins, Sachs-Boge und Wilbers bieten komplett einstellbare Federbeine für die RS an, diese bekommt man teilweise beim Händler des Vertrauens, die können so etwas teilweise bestellen, oder auch auf der italienischen Webseite von eBay, dort gibt es einige Artikel mehr als auf der deutschen Seite. Mit einem auf das Fahrergewicht abgestimmten Fahrwerk lässt sich die RS deutlich besser fahren. Eine einstellbare Zug- und Druckstufe ist natürlich schwieriger an zu passen als das Originale Federbein, an dem man gar nichts anpassen kann. Zum Einstellen des Dämpfers gibt es zig Anleitungen im Internet, man kann das auch bei fachkundigen Werkstätten machen lassen.

Von Marchesini gab es für einige, seltene SP-Versionen leichtere Felgen mit kleinerem Querschnitt. Diese Felgen sind nur schwer zu bekommen, es lohnt sich, diese Investition zu machen. Der kleinere Reifen fährt sich in den Kurven deutlich besser als der original relativ breit gewählte Hinterreifen. Diese Felgen hatte ich auf meiner ersten 125er montiert, der Unterschied ist deutlich spührbar.

Pulverbschichtete Marchesini-Felgen des SP-Modells mit Galfer-Wave-Bremsscheiben

Das Federbein der RS250 passt leider nicht in die 125er und es ist auch nicht möglich, dies an zu passen. Das Serienfederbein der 250er entspricht von der Funktion her in etwa dem Federbein von Sachs-Boge für die RS125.

Auspuffanlage

Es gibt von mehreren Herstellern Komplett-Auspuffanlagen für die RS 125. Das Austauschen des Endschalldämpfers dient nur zu Optikzwecken, wenn ihr etwas Mehrleistung möchtet, muss die komplette Auspuffanlage ausgetauscht werden. Dafür gibt es mehrere Komplettauspuffanlagen, einige davon hatte ich schon montiert. Alle haben gemeinsam, dass das Gewicht der Anlage deutlich kleiner ist, als bei der Serienanlage – das ist ein deutlicher Vorteil. Da der Motor durch die zusätzliche Mehrleistung auch heisser werden kann, empfiehlt es sich, das Kolbenbild nach Einbau zu beobachten, um einen Motorschaden zu vermeiden und ggf. die Vergaserbedüsung an zu passen.

Arrow bietet für alle Modelle über alle Baujahre Auspuffanlage mit einer ABE an. Es werden immer zwei Auspuffflansche mitgeliefert, montiert man den falschen, hat man etwas mehr Leistung und die ABE verliert ihre Gültigkeit. Meine Erfahrung mit so einer Anlage war recht gut, die Maschine lief spürbar besser über ein breites Drehzahlband. JollyMoto Auspuffanlagen gibt es nur ohne Zulassung, sind also nicht für den öffentlichen Straßenverkehr geeignet. Die Anlagen bringen ein Leistungsplus in sehr hohen Drehzahlen und haben durch das dünne Blech einen extrem sportlich-zischenden Sound.

Weitere Hersteller, von denen ich aber noch keine Erfahrungen gelesen habe, sind TurboKit (TK), Jim Lohmas, Giannelli, Shark und Scalvini.

Ich empfehle, eine neue Auspuffanlage sofort vor der Montage verchromen zu lassen, da sämtliche Hitzeschutzlacke, die auf den Anlagen aufgebracht sind, irgendwann versagen werden und die Anlage dann rostet. So macht das ganze optisch auch noch was her. Neue Auspuffanlagen zu verchromen ist kein Problem, die meisten Galvaniker akzeptieren jedoch keine gebrauchten Anlagen, da diese sich nicht reingien lassen und die Bäder versauen.

Vergaser

Es gibt für die alten Modelle den 34-mm-DellOrto-Vergaser mit passendem Ansaugstutzen, die neueren Modelle haben einen 28-mm-Vergaser und entsprechend einen 28-mm-Ansaugstutzen. Ein neuer Vergaser ist teuer, man sollte sich überlegen, ob sich die Investition lohnt und man sollte sich auch bewusst sein, dass man das Ding abstimmen können muss. Warum ist das ein Problem?

Generell sollte man erwähnen, dass die RS mit dem 28er Vergaser gut läuft, ein größerer Vergaser macht erst dann Sinn, wenn man die mögliche Drehzahl oder Hubraum irgendwie erhöht hat. Es kommt noch der Nachteil hinzu, dass ein größerer Vergaser sich für niedrige Drehzahlbereiche schlechter abstimmen lässt, da die Strömungsgeschwindigkeiten durch den höheren Querschnitt kleiner werden und somit die Gemischaufbereitung schwieriger zu handhaben ist. Da es sich nicht um einen Membranvergaser handelt, der Drehzahl(bzw. Druck-)abhängig die Schieberhöhe einstellt, wird das besonders schwierig.

Luftfilter

Schnorchel raus oder Pilzluftfilter drauf und sonst andere Pfuschereien bringen nur eins: Lärm. Lärm ist hörbarer Müll stand in großer Schrift an der Wand in der Schule, die ich als Kind besucht habe.

Der Vergaser arbeitet am besten, wenn er einen ruhige Luftzufuhr bekommt – das funktioniert mit dem Serienluftfilter bereits sehr gut! Wird eine völlig verdreckte Luftfiltermatte durch irgend etwas günstiges ersetzt, ist dies keine Tuningmaßnahme sondern einfach nur ein Zeichen für schlampige Wartung!

Carbon-Membrane

Nein. Nein. Nein. Warum? Auch hier der Roller-Vergleich: Wird bei einem 50-cm³-Roller die Stahl-Membran durch eine Carbon-Membran ersetzt, bringt dies natürlich ein Leistungsplus. Die RS 125 hat serienmäßig schon Membrane aus Faserverbundkunststoff verbaut, dessen mechanische Eigenschaften nach einigen Jahren Betrieb sich ändern können. Werden da neue Carbon-Membranen verbaut, können diese sich vermeindlich besser anfühlen als die alten, verschlissenen Original-Membranen. Idealerweise baut man einfach neue Membranblättchen ein, entweder Original oder von Boyesen – aber nicht Carbon, das ist vor allem Marketing.

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